Ungewöhnliche Haarfarbe: Mutation blondiert Bewohner der Salomon-Inseln

Blonde auf den Salomonen

Blond am Äquator: Viele Menschen in den Tropen haben eher dunkle Haare – doch nicht so die Bewohner der Salomon-Inseln im Südpazifik. Ihr Schopf schimmert auffällig oft hell. Forscher haben nun eine Genmutation entdeckt, die für die ungewöhnliche Haarpracht verantwortlich sein soll.
Bewohner der Salomon-Insel: Der kleine Junge erstaunt durch blonde Haarpracht Zur Großansicht
DPA/ Science/ Sean Myles

Bewohner der Salomon-Insel: Der kleine Junge erstaunt durch blonde Haarpracht

Nur etwa zwei Prozent der Menschen auf der Welt haben von Natur aus helle Haare. Darunter auch erstaunlich viele Bewohner der Salomon-Inseln im Pazifik. Sie haben die dunkelste Haut bei Menschen außerhalb Afrikas – und gleichzeitig den höchsten Prozentsatz blonder Schöpfe außerhalb Europas.

Warum gleich bis zu zehn Prozent der Menschen auf der Inselgruppe östlich von Papua-Neuguinea blond sind, haben Wissenschaftler um Eimear Kenny von der Stanford University (US-Bundesstaat Kalifornien) und Nicholas Timpson von der University of Bristol, England untersucht.

26 Prozent der Inselbewohner haben eine Veränderung im Erbgut, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin “Science” . Die Überraschung: Diese Menschen verdanken ihre helle Haarpracht nicht europäischen Vorfahren. Das konnten die Wissenschaftler ausschließen.

Genmutation kommt nur in Ozeanien vor

Die Forscher hatten die DNA von 43 blonden und 42 dunkelhaarigen Salomonern untersucht und waren dabei auf eine Genmutation am Chromosom neun gestoßen. Der Studie zufolge ist diese durch eine Veränderung der Aminosäuren am Enzym TYRP-1 entstanden. Es sorgt dafür, dass Zellen dunkle Pigmente in Haut und Haaren – sogenannte Melanine – produzieren können.

Durch die Veränderung des Enzyms erzeugen die Pigmentzellen weniger Melanine. Das Ergebnis: Der betroffene Mensch ist blond. “Die Analyse des Erbguts von 918 Inselbewohnern ergab, dass die Genmutation zu 46 Prozent für die Haarfarbenunterschiede der Salomoner verantwortlich ist”, schreiben die Forscher.

Dass Menschen so nah am Äquator helle Haare haben, ist ungewöhnlich. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Haarfarbe einerseits erblich bedingt ist und andererseits von der Intensität der Sonneneinstrahlung abhängt. Deshalb haben die meisten Menschen, die am Äquator wohnen, dunkle Haut und dunkles Haar. “Welche Vorteile mit dieser Genmutation verbunden sein könnten, ist unklar. Außerhalb Ozeaniens kommt sie jedenfalls nicht vor”, erklärt Timpson.

Wie es auf den Salomon-Inseln zur Veränderung der Gene kam und welche Faktoren bei der Ausbildung der blonden Haare noch eine Rolle spielen könnten, muss Timpson zufolge noch weiter untersucht werden. “Wir wissen noch nicht, ob die Genvariante im Laufe der Evolution entstand, oder ob sie von außen in die Population der Insel eingeführt wurde.”

ajo/dpa

 

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/genmutation-verleiht-bewohnern-der-salomon-inseln-blonde-haare-a-831333.html

Ein vertauschter Genbuchstabe macht Südseebewohner blond

Forscher finden die Ursache für die hellen Haare vieler Melanesier

Forscher haben herausgefunden, warum einige Südseebewohner trotz dunkler Haut blondes Haar haben: Schuld an der ungewöhnlichen Haarfarbe der Melanesier ist nicht eine Vermischung mit Europäern, sondern eine Genmutation: Bei rund einem Viertel der Südseebewohner ist ein bestimmter Genbuchstabe auf dem neunten Chromosom verändert. Diese nur bei dieser Volksgruppe vorkommende Variation beeinträchtigt die Bildung von dunklen Pigmenten in den Haaren. Erbt ein Kind diese Mutation von beiden Elternteilen, wird es blond, wie das internationale Forscherteam im Fachmagazin “Science” berichtet.
Blonder Junge in Vanuatu

Blonder Junge in Vanuatu

Natürlich blondes Haar ist beim Menschen selten: Es kommt fast nur bei Nordeuropäern vor – und in einer kleinen Gruppe von Südseebewohnern. “Obwohl die Bewohner der Salomon-Inseln und des äquatorialen Ozeaniens die dunkelste Hautfarbe aller Menschen außerhalb Afrikas haben, sind fünf bis zehn Prozent von ihnen blond”, schreiben Eimear Kenny von der Stanford University und seine Kollegen. Das sei der höchste Anteil von Blonden außerhalb Europas.

Warum viele Melanesier diese für Bewohner der Tropen so ungewöhnliche Haarfarbe besitzen, war unklar. Die Forscher, darunter auch Mark Stoneking vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, machten sich daher auf die Suche nach den genetischen Ursachen dieses Phänomens. Dafür analysierten und verglichen sie das Erbgut von 43 blonden und 42 dunkelhaarigen Bewohnern der Salomoneninseln.

Kein Einfluss von Europäer

“Wir fanden keine Hinweise auf einen Einfluss von Genen aus Europa”, sagen die Wissenschaftler. Eine Vermischung von seefahrenden Europäern mit den ortsansässigen Melanesiern sei demnach nicht die Ursache der blonden Haare. “Das charakteristische blonde Haarfarbe entstand im tropischen Ozeanien unabhängig, das ist unerwartet und faszinierend”, sagt Kenny.

Wie die Forscher feststellten, war bei den blonden Melanesiern in einem Gen namens TYRP1 auf dem neunten Chromosom die Base Cytosin gegen Thymin ausgetauscht. In seiner normalen Form produziert dieses Gen ein für die Pigmentproduktion wichtiges Enzym. Durch die Mutation wird jedoch eine falsche Aminosäure in das Pigment-Enzym eingebaut. Als Folge funktioniert dieses nicht mehr richtig und führt so zu dem ungewöhnlich hellen Haar der Melanesier.

Neuentdeckte Mutation kommt nur in der Südsee vor

Im Falle der blonden Melanesier handele es sich um keine bisher bekannte Mutation, sondern um eine neue Variante, sagen die Forscher. Sie komme offenbar nur in der Südsee vor. Die Wissenschaftler hatten im Genom von weiteren 941 Menschen aus 52 verschiedenen Populationen weltweit nach dieser Genveränderung gesucht, ohne fündig zu werden.

Die bei den Melanesiern gefundene Mutation wird wahrscheinlich rezessiv vererbt, erklären die Forscher. Das bedeutet, dass nur die Südseebewohner blond werden, die dieses veränderte Gen sowohl von der Mutter als auch vom Vater geerbt haben. Gibt eines der Elternteile die intakte Genvariante weiter, gleicht sie den Defekt aus – die Kinder werden ganz normal dunkelhaarig.
(doi: 10.1126/science.1217849)

Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-14719-2012-05-04.html