Pygmäen – das Volk der Regenwälder

GESCHICHTE

Die Pygmäen sind wahrscheinlich die älteste Bevölkerung der äquatorialen und tropischen Wälder Afrikas. Von ihrer Existenz zeugen bereits Inschriften ägyptischen Denkmäler des zweiten Jahrtausendes v.Chr., in denen sie wegen ihrer großen Fähigkeiten im Tanz wurden als “Gottestänzer” bezeichnet werden. Die Bantu-Stämme, die um das Jahr 1000 n.Chr. in die tropische äquatoriale Zone siedelten, wurden von den Pygmäen immer gut aufgenommen. Zwischen Pygmäen und Bantu entwickelten sich wirtschaftliche Beziehungen, in denen die Jagdprodukte der Pygmäen gegen landwirtschaftliche Produkte der Bantu getauscht wurden. Im Gegensatz zu den Pygmäen kannten die Bantu die Kunst der Metallverarbeitung und praktizierten die Landwirtschaft. Die Bantu nutzten diese technologische Überlegenheit aus, um die Pygmäen zu unterwerfen und sogar zu versklaven. Nur in den letzten Jahrzehnten werden dank Eingriffe von Missionaren und Anthropologen die Menschenrechte der Pygmäen langsam und noch mit vielen Ausnahmen wieder respektiert.

GEOGRAFIE

1. Die Pygmäen-Völker sind in den Staaten der tropischen äquatorialen Zone verteilt: Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Gabun Volksrepublik Kongo (Brazzaville), Demokratische Republik Kongo (Kinshasa – ehemaliges Zaire), Ost-Uganda und Ost-Ruanda (Region des Ruwenzori Massivs und der Vulkane, die die Grenze zwischen Uganda/Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo bilden). Einige Pygmäen-Völker sind: BAKA (Kamerun), BABINGA (Gabun), BAMBUTI-BASHWA-BAEFE, BAPOO BALESE (Demokratische Republik Kongo), BATWA (Uganda-Ruanda), etc.

2. Es gibt zwei Arten des äquatorialen Walds, in dem die Pygmäen leben: a) PRIMÄRER WALD: Bäume mit hohen Stämmen (30-50 Meter) die wegen ihrer Dichte ein fast undurchdringliches Dach für die Sonnenstrahlen bilden. Die Unterholz-Zone ist weniger dicht. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen bei Tag zwischen 25° und 32° C, bei Nacht zwischen 15° und 20° C. Die Feuchtigkeit liegt zwischen 77% und 99%. b). SEKUNDÄRER WALD: es handelt sich um den Wald, der in den einst gerodeten Zonen wieder gewachsen ist, in denen die Menschen vorher wohnten und Landwirtschaft betrieben und dann verliessen. Der sekundäre Wald besteht aus hohem Stämmen und vielen Bäumchen, Gebüschen und Gräsern: das Unterholz ist hier dichter, denn wegen der Abholzung konnten Wind und Vögel Samen vieler anderer Pflanzenarten herbeibringen. Pygmäen

3. In den Wäldern, die den Lebensraum der Pygmäen bilden, leben auch viele Arten von Tieren: Leoparden, Okapi Elefanten, Antilopen, Affen jeglichen Typs und Größe, Schlangen, von denen viele giftig bis sehr giftig sind (schwarze Kobra, schwarz-grüne Kobra, Vipern etc.) und zahlreiche Tierarten, die im Unterholz leben (Stachelschweine, Igel, große und kleine Schuppentiere). Man findet auch zahlreiche Ameisenfamilien, von denen die Bekanntesten sind: die Holz, Stoff oder Haut verzehrenden Termiten, die roten Ameisen, die sich von Tiere, Fische, Insekten und auch von Menschen (wenn sie nicht flüchten) nähren, die giftigen schwarzen Ameisen und die roten Ameisen, die die Einzigen sind, vor denen die fleischfressenden roten Ameisen flüchten, usw.

4. In diesen Urwäldern wachsen auch Edelholzbäume, wie z.B.: Mahagoni, Teak und Ebenholzbäume, aus denen wertvolle Möbel hergestellt werden.

WER SIND DIE PYGMÄEN ?

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1. Der Name der Pygmäen kommt vom griechischem Wort “pygmmâios” = eine Elle hoch, also klein. Tatsächlich sind die Männer im Durchschnitt 140 cm und die Frauen 130 cm hoch. Sie sind nicht von schwarzer Rasse, wie allgemein vermutet wird, sondern bilden eine Rasse für sich selbst, deren Haut hellbraun ist. Es ist auf jeden Fall wichtig, daran zu denken, dass die anthropologische Kategorie der Rassen heute von der Wissenschaft abgelehnt wird und nur noch von denen Verwender wird, die noch rassistische Vorurteile haben.

2. Im Endeffekt können wir sagen, dass die Pygmäen eine Gesamtheit von Völkern sind, die physisch von kleiner Statur und hellbrauner Hautfarbe sind und in den tropischen äquatorialen Wäldern leben, die von Kamerun bis nach Osten zu den Gebirgsketten und Vulkanen gehen.

WIE LEBEN DIE PYGMÄEN

1. DER WOHNORT
Die Pygmäen leben in zwei verschieden Arten von Dörfern bzw. Lagern:
DAS DORF befindet sich in der Nähe eines Bauerndorfs (Bantu), mit dem sie die eigenen Produkte (Jagd, Fischerei und Waldfrüchte) gegen landwirtschaftliche Produkten, Textilien und andere Manufakturrate der Bantu tauschen.
DAS JAGDLAGER besteht aus Hütten aus Zweigen und Blättern und befindet sich in der Jagdzone. Ein Jagdlager ist vom anderen etwa 1 Stunde Fußmarsch entfernt, je nach den Bedürfnissen der Jagd.

Jede Pygmäen-Gemeinschaft besteht aus etwa 60-80 Personen, das bedeutet 10-15 Familien (jede Familie zählt ca. 6 Personen: Vater, Mutter und mindestens 4 lebende Kinder. Auf Grund der hohen Kindersterblichkeit und der harten Lebensbedingungen im Wald bringt eine Frau 7-8 Kinder auf die Welt, von denen 4-5 erwachsen werden.). Das Dorf besteht aus ungefähr 15-20 Hütten, von denen 10-15 von den einzelnen Familien bewohnt sind und die übrigen für den gesellschaftlichen Gebrauch dienen: eine für die Jungen, eine für die Mädchen, ein offenes Wetterdach dient dem alltäglichen Gemeinschaftsleben (Schule, Gericht, Gesang, abendliche Unterhaltungen am Feuer, usw.) und manchmal gibt es eine Hütte fùr durchreisende Gäste. Die Hütten des Dorfes oder des Lagers sind im Kreis aufgebaut, so bleibt in der Mitte eine grosse runde Tanzfläche.

Die Hütten des Jagdlagers sind rund mit einem Durchmesser von etwa 3-4 Meter und ungefähr 1,5-2 Meter hoch. Der Eingang jeder Hütte schaut zur Mitte des Lagers, aber falls eine Familie eine schwerwiegende Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft hat, kann der Eingang ihrer Hütte schnell geschlossen werden und ein neuer wird auf der Hinterseite der Hütte geöffnet. Sobald die wieder Frieden geschlossen wurde, wird der ursprüngliche Eingang wieder hergestellt. Zum Bau dieser Hütten werden Äste und kleine Bäume (FITU) in den Boden gerammt und dann zusammen geflochten. Auf diese erste Struktur werden weitere fitu aufgeflochten, in die dann Mangungu-Blätter, die ca. 1 Meter lang und 50-60 cm breit sind, eingeflochten werden. Die Blätter werden von unten nach oben eingeflochten (in etwa wie Fischschuppen), damit die fertige Hütte wasserfest ist. Diese Hütten, die ein bis zwei Monate bewohnbar sind, werden normalerweise nur begrenzt bewohnt und dienen hauptsächlich zur Nachtruhe, denn die Pygmäen wie auch die Bantu auf dem Land leben vor allem im Offenen. Regenfälle, die normalerweise heftige Gewitter sind, die nie länger als zwei Stunden dauern, werden als angenehme Duschmöglichkeiten gesehen. Nach dem Gewitter trocknet alles schnell in der äquatoriale Sonne.

Die Dorfhütten sind hingegen rechteckig, 5-6 Meter lang, etwa 3-4 Meter lang und 2-2,5 Meter hoch. Der Bau beginnt damit, dass Pfähle in einer Reihe zu 20cm aufgestellt werden. Diese Pfähle (NGUZU) sind aus breiten Bäumen (die auch widerstandsfähig vor den Termiten sind). Die Pfähle werden horizontal mit Lianen (es gibt hunderte von Lianenarten) gebunden, sowohl Innen als auch Aussen. Es entsteht so eine käfigartige Struktur, die von der ganzen Gemeinschaft in einem einzigen Tag mit Schlamm gefüllt wird, der trocknet und die Mauern der Hütte bildet. Das Dach ist besteht aus leichten Pfählen (MAKOMBOMOJA) und wird mit Lianen in der Mitte auf der MWAMBA (Futtermauer) und an Mauerpfählen befestigt. Dann werden horizontal “fitu” angebunden, etwa 10-15 cm voneinander entfernt, die dann, wie schon beschrieben, mit den Mangungu-Blättern” bedeckt werden. (Zur Zeit werden die Hütten der Dörfer, die beschliessen, am Projekt “Pygmäen” von P. Antonio Mazzucato teilzunehmen, mit einem 3 Meter langen und 90 cm breiten Wellblech (das sich dort Manjanja nennt) bedeckt.

Es gibt keine Einrichtungsgegenstände und auch das Bett besteht aus einem oder zwei grossen Bananenbaumblättern, die in unmittelbarer Nähe der offenen Feuerstelle in der Mitte der Hütte ausgebreitet werden. Nachts schlafen dann alle Bewohner der Hütte sehr leicht oder gar nicht bekleide in einem Halbkreis um die Glut der Feuerstelle. Die Kleider werden an Seilen aus Lianen, die auf den Pfählen festgemacht werden, aufgehängt.(Die Dörfer, die am Projekt teilnehmen, haben auch Decken oder schwere Kleidung für die Nacht und es ist vorgesehen, dass sie bald Betten bekommen, die von den Tischlerlehrlingen in den Werkstätten des Projekts hergestellt werden). Töpfe und verschiedene Pfannen werden in einer Ecke auf dem Boden abgestellt, wenn sie nicht draußen sind, wo normalerweise jeden Tag gekocht wird.

2. DIE GESELLSCHAFT DER PYGMÄEN

– Die Gesellschaftsstruktur der Pygmäen basiert allein auf der Familie, zunächst auf den engeren Familienkreis (Vater, Mutter, Kinder) und dann auf die erweiterte Familie (Großvater und -mutter, Onkeln/Tanten, Vettern/Cousinen), die jedoch eine weniger wichtige Rolle spielt. In der sozialen Kultur der Pygmäen hält die INDIVIDUELLE PERSON die höchste Wertstellung ein, zu deren Wohl und Entwicklung die Kernfamilie beitragen muss. Die erweiterte Familie trägt wiederum zum Wohl der Kernfamilie bei. (Im Gegensatz dazu, steht in der Bantu-Gesellschaft das Individuum im Dienst der Familie, die wiederum im Dienst der Großfamilie steht, die ihrerseits zum Wohl des Clans beiträgt. Bei den Pygmäen hat der “Clan” keine Wichtigkeit).

– In der Pygmäen- Familie gelten gleiche Rechte für Mann und Frau, die sich nur in ihren alltäglichen Funktionen voneinander unterscheiden. Der Mann hat genauso wenig das Recht, zu entscheiden und zu befehlen wie die Frau. Entscheidungen müssen vereinbart werden und wenn es keine Vereinbarungen gibt, entscheidet ein jeder nach eigenem Gutdüngen, ohne allerdings dem anderen seinen Beschluss aufzuzwingen.
Der Bau der traditionellen kreisförmigen Hütten ist Aufgabe und vor allem Recht einzig und allein der Frau, die auch den Standort für die Hütte entscheidet. Gekocht wird sowohl von der Frau als auch vom Mann, je nach Bedarf und Augenblick.

– Die Kinder werden von beiden erzogen, wobei die Beziehung Mutter/Tochter und Vater/Sohn nach dem 5. Lebensjahr dominant wird.

– Pubertierende Mädchen und Jungen wachsen in getrennten Hütten unter Aufsicht eines älteren Erwachsenen auf, um frühreife voreheliche und innerfamiliäre sexuelle Kontakte zu vermeiden. Wenn ein Mädchen geschlechtsreif ist, das bedeutet bei der ersten Menstruation, wird ein nächtlicher Tanz der ganzen Gemeinschaft organisiert, bei dem sich Jungen und Mädchen unter dem wohlwollenden Blick der Erwachsenen gegenseitig umwerben. Eine besondere Tätowierung auf der Brust des Mädchens signalisiert nun, dass es geschlechtsreif und somit heiratsfähig ist.

DIE EHE

– In der afrikanischen Gesellschaft wie auch bei den Pygmäen sucht der Mann nach einer Frau. So sagt auch ein afrikanischer Aphorismus: “Es ist die Antilope, die zum Wasser geht, und nicht umgekehrt!”

– Der Junge muss ein Mädchen suchen, das nicht näher mit ihm verwandt ist (wenigstens nicht bis zum 5. Grad), da die Risiken für eine Fehlgeburt oder Kinder mit physischen und psychischen Behinderungen zu groß sind. Nachdem beide “Verlobten” eine Vereinbarung getroffen haben, informiert der Junge seine Familie über seine Heiratsabsichten. Nachdem beide Familien auf diskrete Weise Informationen über die Moralität der anderen Familie eingeholt haben, informiert die Familie des Jungen den erweiterten Familienkreis und das Dorf der Braut, dass es ein Mädchen zu verheiraten gäbe, wenn sie es wünschen. Das bedeutet, dass es bei den Pygmäen keine Brautsteuer wie bei den Bantu gibt, sondern einen Personentausch, der dazu dient, die Bewohneranzahl eines jeden Dorfs aufrecht zu erhalten. Die Bewohneranzahl eines Dorfs wird von seinem Lebensraum bestimmt: Jedes Dorf hat eine bestimmte Fläche Wald zur Verfügung, die für die Nahrung und die gemeinsame fruchtbare Jagd von 60-80 Personen reichen muss.

Sobald auch die Familien der Bräute und Bräutigame eine Vereinbarung getroffen haben, machen sich alle Mädchen und Jungen aus einem Dorf tanzend und singend auf den Weg zum anderen, wo sie bis zur Hochzeit bleiben. Am Tag der Hochzeit sind alle Verwandten und Freunde der Brautleute anwesend, es erfolgt der öffentliche Austausch der zwei Mädchen, dann wird ein Tag und eine Nacht lang getanzt. Mit den Abschlussworten “Sie sollen glücklich und froh leben…” endet das Hochzeitsfest.

DAS EHELICHE FAMILIENLEBEN

Wie bereits erwähnt, haben Mann und Frau in der Ehe die gleichen Rechte, gehen jedoch verschiedenen Tätigkeiten nach. Zum Beispiel: die Frauen sind für den Bau der traditionellen runden Hütte zuständig und suchen auch den Platz aus, an dem sie gebaut wird. Der Mann kann hier mithelfen, aber der Frau nicht seine Ansichten aufzwingen. Beim Bau der rechteckigen Hütte mit den Schlammmauern ist es Aufgabe der Männer, die notwendigen Pfähle zu schneiden und in den Boden zu rammen. In ihren Aufgabenbereich fallen auch der Bau der Mauern und des Dachs, das Sammeln der notwendigen Lianen und der Schnitt der “fitu”. Der Schnitt der Blätter, die das Dach abdecken, gehört zu den Aufgaben der Frauen, aber die Befestigung der Blätter auf dem Dach wird von den Männern erledigt. Die Frauen holen vom Fluss oder von der Quelle das Wasser, das die Männer mit Erde zu Schlamm für die Mauern vermischen. Zusammen werden sie dann den Schlamm in die käfigartige Mauerstruktur einfügen.

Die Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau haben folgen strengen gesellschaftlichen Regeln:
– I. strenge Heterogamie: innerfamiliäre Beziehungen und Heirat sind bis zum 5. Verwandtschaftsgrad streng verboten;
– II. Die Anzahl erlaubten Kinder wird auf Grund der Einwohnerzahl des Dorfes berechnet, die zum Überleben der Gemeinschaft konstant 60 und 80 Personen bleiben muss. Die Einwohnerzahl wird durch verschiedene Faktoren gedrosselt:
a.. das harte Leben im Wald bringt eine hohe Kindersterblichkeit (40%) im Alter zwischen 0 und 5 Jahren mit sich. Um also 4 erwachsenen Kinder zu haben, muss ein Paar mindestens 7-8 Kinder in die Welt setzten.
b.. Ein angemessener Zeitabstand von einer Geburt bis zur nächsten wird entweder durch sexuelle Abstinenz (von der Schwangerschaft bis zum 2-3 Lebensjahr des Kindes) eingehalten, oder durch traditionelle Verhütungsmittel, die die Fruchtbarkeit der Frau und in einigen Fällen auch des Mannes einschränken.

III. Erziehung und Ausbildung der Kinder:
a.. Im Alter von 0 bis 4/6 Jahren ist die Erziehung Aufgabe beider Elternteile
b.. Später beschäftigen sich die Mütter mehr mit den Mädchen und die Väter mehr mit den Jungen, ohne aber das Interesse an den anderen Kindern zu verlieren.

Die Erziehung und Ausbildung folgt drei Prinzipien:
1.. FREIHEIT: Kinder sind frei, eigene Erfahrungen zu machen und von der anderen Menschen und der Umwelt zu lernen: sie werden niemals von den Aktivitäten der Erwachsenen ausgeschlossen, weder im Dorf noch nicht bei der Jagd. Es wird ihnen nichts verboten, sondern es wird ihnen der korrekte Umgang mit gefährlichen Dingen, Bogen, Lanze, Küchengeräte (Messer und Pfannen) und Feuer beigebracht. So kann man z.B. ein nur 2-jähriges Kind mit einem Machete in den Händen sehen, ohne dass die Mutter angelaufen kommt, um es ihm schimpfend weg zu nehmen.
2.. INITIATIVE: die Kinder werden angespornt, beim Erlernen der verschiedenen Aktivitäten, sowohl individuelle (Geschlechtserziehung) als auch soziale (Jagd), selbst Initiative zu ergreifen. Alles wird vor allem SPIELEND erlernt, ob es nun das Spiel zwischen Kindern oder mit Erwachsenen ist. Erwachsene nehmen das Spielen mit Kindern sehr ernst: es wird nicht gespielt, nur um den Kindern eine Freude zu machen, die Kinder werden nicht nachgeahmt noch spricht man sie mit den bei uns üblichen “Kleinkinderworten” an. SPIELEN UND LACHEN SIND ERNST ZU NEHMENDE SACHEN! 3.. VERANTWORTUNG: die Kinder lernen schnell, dass im Wald jeder Fehler unweigerlichen Folgen hat und bestraft wird: wenn man z. B. nicht acht gibt, wo man hintritt, kann man eine auf eine Schlange treten und von ihr gebissen werden, und wenn man nicht aufpasst, wo man sich festhält, könnte man eine dornige oder giftige Liane packen, die schmerzhaft bis tödlich sein könnte. DER WALD KENNT KEINE VERZEIHUNG, MAN MUSS SEINE GESETZE KENNEN UND SICH NACH IHNEN RICHTEN. Die Pygmäen haben grossen Respekt vor dem Wald und seinen Gesetzen und sind sich bewußt, dass sie vom Wald alles bekommen was sie zum Überleben brauchen.

THEMEN DER ERZIEHUNG UND AUSBILDUNG
a.. das Familienleben und Geschlechtserziehung. Letztere wird insbesondere während der INITIATION behandelt. Es handelt sich um einen Zeitraum von einem Monat, in dem die Jungen unter der Führung eines älteren Erwachsenen in den Wald gehen, wo ihnen das Wissen um die Traditionen des Clans und des Stamms vermittelt werden. Hierbei ist zu bemerken, dass die Initiation nicht von einem älteren Pygmäen, sondern von einem Bantu-Älteren geleitet werden. Das beweist, dass es sich um eine von den Bantu angenommene Tradition handelt, denn eigentlich hätte nur ein Clan- oder Stamm-Angehöriger das Recht, bei der Initiation teil zu nehmen.
b.. Jagd-, Fisch- und Sammeltechniken von spontanen Waldprodukten (Honig, Pilze, Insekten, Gräser, Wurzeln und essbaren Früchten)
c.. Gruppenspiele
d.. Bautechniken der Hütten, wobei die Techniken zum Bau der runden Hütte nur den Mädchen beigebracht werden
e.. Tänze, Gesang und Trommelspiel

DAUER DER ERZIEHUNG UND AUSBILDUNG: von der Geburt bis zur Ehe

WIRTSCHAFT

a. Die Pygmäen ernähren sich von der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln der Produkte des Walds.
b. Die Pygmäen stellen alle Geräte, die sie zur Jagd, dem Fischen und dem Alltagsleben (Haus, Kleidung, verschiedene Aktivitäten) brauchen aus Waldprodukten (Holz, Leder, Knochen, Erde, Lianen, usw.) her. Das heisst, dass die Pygmäen voll und ganz vom Wald leben.
c. Die Pygmäen sammeln, jagen oder fischen immer nur soviel Nahrung, wie sie für einen Tag brauchen, denn sie kennen keine Konservierungstechniken, treiben mit ihren Produkten keinen Handel sondern brauchen diese “nur” zum Überleben und letztendlich aus einem kulturellen Entschluss.
d. ARBEIT DIENT NUR DEM ÜBERLEBEN ( man arbeitet, um zu leben und man lebt nicht, um zu arbeiten!) UND DEM TÄGLICHEN LEBEN, aber nicht, um Konsumprodukte herzustellen, aus denen man wirtschaftliche und soziale Profite schlagen könnte. Privater und öffentlicher Eigentum sind unbekannt, man hat einfach das Recht, die Produkte der eigenen Arbeit verbrauchen bzw. verwenden zu können.
e. DIE JAGD: es gibt zwei verschiedene Jagdtechniken, je nachdem ob es man individuelle oder gemeinsame Jagd betreibt.
Die INDIVIDUELLE JAGD wird von einer einzelnen Person mit einer Lanze und/oder Pfeil und Bogen und einem Jagdhund betrieben, der kleinere Jagdbeuten im Unterholz aufspürt. Die Hunde der Pygmäen sind klein und kurzhaarig, wahrscheinlich stammen sie von arabischen Windhunden ab, oft aber auch von den Hunden der europäischen Kolonialherren. Die Jagdbeute gehört in diesem Fall allein dem Jäger und sener Familie.
Die GEMEINSCHAFTSJAGD wird von allen Dorfeinwohnern gemeinsam betrieben, auch von den Neugeborenen, die von den Müttern auf dem Rücken mitgetragen werden. Diese Jagd kann auch ein, zwei oder mehr Monate dauern. Dazu wird das Dorf in der Nähe einer Bantu-Siedlung verlassen und die ganze Gemeinschaft begibt sich in ihr Jagdrevier, in dem keine andere Pygmäen-Gemeinschaft ohne Erlaubnis jagen darf. Es handelt sich hierbei nicht um eine Art von Besitz, sondern ganz einfach um “Existenzfläche”. Den Pygmäen nach kann der Mensch kein Stück Natur besitzen. In einer Jagdzone werden immer mehrere Jagdlager (kreisförmige Hütten) eingerichtet aufgebaut, die ungefähr eine Stunde Fußmarsch voneinander entfernt sind.
f. Sobald die Gemeinschaft auf ihr Jagdgrund ankommt, versammelt sie sich um einen kleinen Baum, zu dessen Füssen jeder einen Stein legt. Dann singen alle zusammen ein Lied für die Ahnen: “Seht, dass unsere Kinder euch nicht vergessen haben. Auf der Suche nach Nahrung sind sie dorthin zurück gekommen, wo ihr begraben liegt. Bittet Gott darum, dass wir genügend Wildfleisch finden, zum Essen und um es mit anderen Sachen, die wir benötigen, zu tauschen. Finden.” Wenn es in der Gemeinschaft eine schwangere Frau gibt, dann dreht sich diese auf die Aussenseite des Kreises und fängt an, mit dem Ton eines Schlaflieds ein Lied zu singen: “Ihr, unsere Ahnen, seht uns hier zusammen mit euch und seht, wie ihr niemals aufgehört haben, das Leben, das wir von euch bekommen haben, weiter zu führen. Sagt Gott, dass wir es auch weiterhin so pflegen werden, so wie die Blumen, von denen die Bienen den Honig nehmen.”
g. Die Jagd findet in dem unmittelbar an das Lager grenzende Gebiet an. Das Gebiet wird in ein oder zwei Wochen durchstreift, dann macht man in einem anderen Gebiet weiter, bis das ganze Jagdrevier der Pygmäen-Gemeinschaft durchstreift ist. Bei einem Jagdzug flüchten die Tiere zwar, verlassen aber nicht ihr Revier, das mehr oder weniger dem Jagdrevier einer Gemeinschaft entspricht. Die Pygmäen jagen mit Pfeil und Bogen, einer Lanze und einem Netz pro Familie und natürlich den Hunden. Die Pfeilspitzen werden in ein natürliches Gift getaucht, das in ungefähr einer halben Stunde tödlich wirkt.

Wie ist die Gemeinschaftsjagd organisiert:
a. Die Jagd wird von einem Jagdführer geleitet. Der Jagdführer ist nicht unbedingt das Oberhaupt der Gemeinschaft, sondern ein Mann, der wegen seiner Jagdfähigkeiten besonders geschätzt wird. Der Jagdführer entscheidet, wo die Netzte gespannt werden.
b. Die Netzte werden im an Büschen oder Ästen befestigt und im Halbkreis gespannt. Die Männer, mit ihren Lanzen bewaffnet, lauern hinter Bäumen, die in der Nähe der Netzte, aber ausserhalb des Halbkreises sind. Die Frauen, Kinder und Hunde schliessen den Halbkreis und auf eine Zeichen des Jagdführers hin fangen sie, laut zu schreien und mit Zweigen um sich zu schlagen. Auf diese Weise werden die Tiere in die Netze gedrängt, von dort etwas auf die Seite geschleppt und dann getötet. Es ist wichtig, das die Netze nicht mit Tierblut beschmutzt werden, denn der Geruch würde andere Tiere fern halten und die Netze unbrauchbar machen.
c. Sobald ein Tier getötet wird, wird es in die Höhe gehoben, um sich so bei den Ahnen und Gott für das Jagdglück zu bedanken.
d. Da Pfeil und Bogen den Männern vorbehalten sind, können die Frauen und die Kinder, die wie die Erwachsenen bei der Jagd mitmachen, mit Stöcken oder Machete bewaffnet sein. Die Kleinkinder, die noch nicht selbstständig sind bleiben entweder im Lager unter der Aufsicht der Älteren oder nehmen am Geschehen bequem auf den Rücken der Mütter gebunden teil. So lernen sie von klein auf, wie man auf Jagd geht.
e. Die Beute wird in gleiche Teile auf alle Teilnehmer aufgeteilt, aber der Besitzer des Netzes hat Recht auf ein ganzes Bein und derjenige, der das Tier getötet hat, behält den Hals.
f. Am ersten Jagdtag wird normalerweise die ganze Beute aufgegessen, damit allen gleich die Lust auf Fleisch vergeht. Die Beute der darauf folgenden Tage wird teilweise gegessen (die Innereien und die Haut) und teilweise geräuchert, um das Fleisch auf dem Markt des Bantu-Dorfs mit landwirtschaftlichen Produkten wie Manioca, Reis, Bananen, Palmenöl, Zwiebeln und Bohnen zu tauschen.

Der Fischfang
– Die Pygmäen betreiben als Nebenbeschäftigung auch den Fischfang, aber die Jagd bleibt ihre Haupttätigkeit.
a. Auch der Fischfang wird individuell oder gemeinschaftlich betrieben.
b. Der individuelle Fischfang wird unterschiedslos von allen, auch von den Kindern ab 3-4 Jahren, betrieben.
c. Zum Fischen werden traditionsgemäss Lanzen mit Holzspitzen verwendet (die Metallspitzen stammen von den Bantu). Man geht nachts fischen, wenn die Fische “schlafen”. Heutzutage werden auch Angelhaken aus Metall verwendet, die von den Bantu gekauft werden, und mit denen man sowohl nachts als auch tagsüber fischen kann. Als Köder werden kleine Würmer oder verschiedene Insekten verwendet, “wenn wir sie nicht gerade lieber selbst essen”, erklären die Pygmäen lächelnd.
d. Der gemeinsame Fischfang wird vor allem von den Frauen betrieben und besteht darin, dass man kleine Fische in künstliche Tümpel scheucht und dann mit einem Korb oder mit den Händen aus dem wasser nimmt.
e. Nur die Fische des individuellen Fischfangs gehören allein dem Fischer, die Fische des gemeinsamen Fischfangs werden unter allen Fischer/innen gleich aufgeteilt.

Das Sammeln der Waldprodukte
a. tägliches Sammeln: individuell sammeln Frauen, aber auch Männer oder Kinder Waldfrüchte für die tägliche Nahrung. Es werden Pilze, Wurzeln, wilde Früchte, kleine Tiere und essbare Insekten (Ameisen) gesammelt. Um giftige Schlangenbisse zu vermeiden, inokulieren sich die Pygmäen ein schwarzes Pulver unter die Haut, das mit ungefähr zehn verschiedenen Gräsern, Wurzeln und Köpfen von giftigen Schlangen in heimlichen Riten hergestellt wird. Diese “Medizin” wird vor dem Sammeln gehen unter die Haut inokuliert und wirkt dann für ein bis zwei Monate.
b. Das sammeln von wildem Honig ist jahreszeitlich bedingt. Ausser dem Honig der Waldbienen gibt es auch den Honig anderer Insekten, unter anderem der “schwarzen Bienen”, die ihren Stock in der Erde bauen und deren Honig leicht giftig wenn auch sehr süß ist.

Wie wird der Honig gesammelt?
– Man verwendet dazu eine Liane, die um den Baumstamm und um die Hüfte eines Mannes gebunden wird, eine kleine Axt, eine handvoll grüner Blätter und etwas Glut und eine Stofftasche, um die Bienenstockteile zu tragen. Dank der Liane klettert ein Mann auf einen Baum bis zur Höhe des Lochs, in dem der Bienenstock ist, dann erweitert er mit der Axt das Loch, schwingt die Blätter mit der Glut, damit der Rauch die Bienen fort hält (trotzdem bekommt man immer einige Stiche ab). Sobald das Loch gross genug ist, um mit einer Hand hinein zu fahre und mit einem Stück Bienenstock wieder herausfahren zu können, wird das erste Stück Bienenstock, vor Honig triefend, in den Wald geworfen, um sich bei den Ahnen und bei Gott dafür zu bedanken. Die restlichen Stücke des ganzen Bienenstocks werden in die Stofftasche gegeben, ein Stück steckt sich der Sammler gleich in den Mund, sozusagen als Entschädigung für den ertragenen Schmerz der Stiche. Honig kann von Juni bis Ende August gesammelt werden. Wenn sich die Pygmäen zum Honig sammeln in den Wald begeben, sammeln sie auch andere Waldfrüchte und manchmal nutzen sie die Gelegenheit auch zum Jagen aus, genauso wie sie das Jagen auch zum Sammeln verschiedener Waldfrüchte nutzen.
Ursprünglich jagten die Pygmäen keine Elefanten, denn die grosse Quantität an Fleisch war mehr, als die Gruppe (60-70 Personen) verzehren konnte bevor es schlecht wurde. Eine solche Verschwendung an Nahrung ist für die Pygmäen unvorstellbar, genauso wenig wie es das Töten eines anderen Menschen ist. Mord und Nahrungsverschwendung haben für die Pygmäen den gleichen Stellenwert!
Die Jagdgegenstände wie Lanzen bzw. Bögen mit Metallspitzen, Machete und Netze stammen ursprünglich nicht von den Pygmäen, sondern von den Bantu. Eben diese technische Überlegenheit hat es den Bantu möglich gemacht, die Pygmäen zu versklaven.

SOZIALE STRUKTUR UND TÄTIGKEIT IN EINEM PYGMÄEN-DORF

a. Wie schon gesagt, kreist die Pygmäen-Gesellschaft hauptsächlich um die Kernfamilie und nicht um die Grossfamilie. Ein Dorf besteht aus ungefähr 10-15 Familien, die eigentlich zusammen eine Grosfamilie bilden, da mehr oder weniger alle Familienoberhäupter untereinander direkt oder indirekt verwandt sind.
b. Das Dorfoberhaupt hat keine AUTORITÄT, um Entscheidungen über das Dorfleben oder über Streitfragen zu treffen. Entscheidungen werden von der Dorfversammlung getroffen, bei der alle mitreden, Männer, Frauen und Kinder, und bei der die Familienoberhäupter nur “moralischen” Vorrang haben.
c. Das Dorfoberhaupt ist eine Person, die sich durch besondere Lebensweisheit hervorhebt und einzig und allein moralische Autorität über die anderen hat. Da das Dorfoberhaupt von den anderen Dorfbewohnern hoch geschätzt wird, gilt seine Lebensweise als Beispiel für alle. Das Dorfoberhaupt kann allerdings nur Ratschläge geben (die meist befolgt werden), aber keine Befehle austeilen.
d. GERICHTSWESEN: auch in Streitfällen liegt jede Entscheidung bei der Dorfversammlung, in der alle, auch die Kinder, ihre Meinung geben können. Das Urteil wird von allen zusammen, unter der moralischen Leitung der Familienoberhäupter, gefällt.
e. Nach dem Prinzip, dass in Streitfällen meist jeder ein bisschen Recht und ein bisschen Unrecht hat, hat das Urteil das Ziel, Frieden unter den Streitenden zu stiften. So hat der Geschädigte zwar Recht auf eine Entschädigung, muss aber seinerseits zur Wiederversöhnung beitragen. Konkret bedeutet das, dass die Wiederversöhnung mit einem Festessen gefeiert wird, zu dem auch der Geschädigte (derjenige, der Recht bekommen hat) mit einem Teil der Nahrung beitragen muss.

ALLTAG

a. Beim ersten Hahnenkrähen (gegen 5.30: am Äquator geht die Sonne gegen 6.00 Uhr auf und geht gegen 18.00 Uhr unter) steht das Dorfoberhaupt auf und zündet mit der Glut des Vorabends das Feuer in der “barza” an, mit dem dann alle anderen das Feuer in der eigenen Hütte anzünden. Dann spaziert das Dorfoberhaupt durch das ganze Dorf und teilt Mitteilungen und Ratschläge aus. Dabei entsteht oftmals ein lustiger Dialog zwischen ihm und den anderen Dorfbewohnern, die noch in den eigenen Hütten sind. Manchmal wird bei diesen Gesprächen auch Gott miteinbezogen, der für die Pygmäen nicht “irgendwo dort oben” weilt, sondern unsichtbar zwischen den Menschen wandelt.
b. Sobald alle (o beinahe alle) aufgestanden wird, wird mit den Essensresten des Vorabends (wenn etwas übrig geblieben ist, gefrühstückt, dann geht jeder den eigenen Tätigkeiten nach. Die Frauen gehen in den Wald Früchte oder anderes sammeln, die Männer gehen jagen oder fischen oder ihr Feld bebauen (wer ein Feld hat, denn in den letzten Jahren haben einige Pygmäen angefangen, Landwirtschaft zu betreiben) oder aber sie hegen zusammen mit dem Dorfoberhaupt den Tätigkeiten nach, zu denen er am Morgen geraten hatte. Andere bleiben im Dorf, um die Jagdnetze zu flicken oder neue Bogen, Pfeile und Lanzen herzustellen. Ab und zu wird etwas gegessen, wie eine Banane oder etwas Manioca, aber das wirkliche Essen gibt es zwischen 18.00 und 19.00 Uhr.
c. Die täglichen Aktivitäten nehmen gerade zwei oder drei Stunden in Anspruch, dann vertreiben sich die Frauen die Zeit mit Kochen oder mit den Vorbereitungen für den abendlichen Tanz (sie malen sich mit Farben an, die von Fruchtsäften gewonnen werden und deren Farbe ungefähr eine Woche hält) während die Männer mit den Kindern Ball spielen, andere Spiele machen, von den Jagdereignissen oder von den Dorfereignissen (auch der Bantu) erzählen.
d. Abends wird nach dem Essen getanzt oder man setzt sich um das Feuer der “barza” oder vor die eigene Hütte zum plaudern.
e. Die Tänze werden sowohl zum Spaß als auch zu besonderen Anlässen (Hochzeit, Initiationsrituale, Elefantenjagd, Blütezeit der Pflanzen, von denen die Bienen Honig gewinnen) organisiert.

RELIGION

a. Die Pygmäen haben keine Religion, im Sinn, dass sie keine religiösen Riten oder Kultplätze haben, noch Priester oder religiöse Einrichtungen und Strukturen. Statt dessen haben die Pygmäen eine starke natürliche und spontane Religiosität, die in einer persönlichen Beziehung mit Gott ausgelebt wird. Gott ist für die Pygmäen eine reale Anwesenheit, die sich mit dem Wald, von dem sie stammen und der sie ernährt, ausdrückt.
b. Es gibt gemeinschaftliche “Riten” (siehe die gemeinschaftliche Jagd), aber diese befolgen keine strikte Prozedur noch werden sie von einer bestimmten Person in einem bestimmten Ort geleitet. Es wird z.B. um ein Feuer, as zu Füssen eines Baums angezündet wird, gebetet, aber es muss kein bestimmter Baum sein, noch muss das Feuer auf eine bestimmte Weise angezündet werden und auch die Gebete sind keine festgelegten Formeln sondern spontane Gespräche mit Gott und den Ahnen, denen man dankt oder die man um Hilfe bittet. Wer diese Gebete leitet kann das Dorfoberhaupt sein oder auch der Jagdführer, der Dorfälteste oder wer immer dazu Lust hat. Es gibt keine heiligen Gegenstände und die, die während des Gebets verwendet werden (Steine, Äste, Wasser) ändern sich je nach Gegebenheit und dem, was man gerade mit dem Gebet ausdrücken möchte.

NOMADENTUM

Die Pygmäen werden als Nomaden bezeichnet, allerdings ist ihr Nomadentum anders als das der so genannten Zigeuner. Man kann auch unter zwei verschiedenen Arten von Nomadentum unterscheiden:
a. herumziehendes Nomadentum: ein andauerndes Reisen, ohne irgendwo einen festen Wohnort zu haben
b. stehendes Nomadentum: diese Art von Nomadentum trifft bei de Pygmäen zu. Innerhalb eines festgelegten Gebiets wechseln sie von Lager zu Lager. Dieses Gebiet wird niemals verlassen, ausser die Gruppe wird davon gejagt, oder es wird von einem andere Volk erobert oder wegen einer Naturkatastrophe.
Das Nomadentum der Pygmäen ist äußerlich durch die dauernde Migration und innerlich durch ihr Zeitgefühl charakterisiert. Das Zeitgefühl der Pygmäen konzentriert sich mehr auf die Gegenwart als auf die Zukunft oder Vergangenheit. Man geht jeder Aktivität mit voller mentaler und körperlich Konzentration nach, unter anderem auch weil das Leben in Symbiose mit der Natur (Urwald) einer ständigen Konzentration zum Überleben bedarf.

Antonio Mazzucato, Bozen, 13.3.2002

 

 

 

 

Über Chrissi

Christine Gross - - geboren im März 1959 in Lüneburg - - zwei Kinder - - wohnhaft Region Hannover - - Kreisvorstandsmitglied DIE LINKE Hannover - - aktives Mitglied bei der Ökologischen Plattform - - aktives Mitglied beim Deutschen Tierschutzbüro - - aktives Mitglied beim Deutschen Tierschutzbund - - aktives Mitglied bei PETA, Tierrechtsorganisation - - In-Group-Mitglied der Bürgerinitiative BIBO (Bürgerinitiative Burgdorf Ost)
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